Bürgerbefragung macht Mut

Trotz – oder vielleicht gerade wegen Corona nehmen die Bürgerinnen und Bürger die Lebensbedingungen im Landkreis Holzminden offenbar zunehmend positiver wahr. Hohe Lebensqualität, ein breites Freizeitangebot, bezahlbarer Wohnraum und freundliche Menschen sind in der jüngsten Umfrage aus 2021 deutlich höher bewertet worden, als das in früheren Erhebungen aus den Jahren 2014 und 2019 der Fall war.

Die Befragungen erfolgten jeweils im Rahmen des EU-Programms LEADER, von dem die Gemeinden sowie Betriebe, Vereine und Privatpersonen im Landkreis seit mittlerweile 20 Jahren profitieren und mit dem erhebliche Gelder aus Brüssel eingeworben worden sind. Allein in der aktuellen Förderperiode sind insgesamt etwa 4,5 Mio. € geflossen, davon im letzten Jahr z.B. über 60.000,- € in die Reaktivierung der Weser-Anlegestelle Heinsen, die als ganz besonders gelungenes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement gelten kann. Damit das auch in Zukunft so bleibt, wird aktuell an der Fortschreibung des regionalen Entwicklungskonzepts gearbeitet, für das die Befragung wichtige Impulse gegeben hat.

Augenfällig ist für die Organisatoren aus dem Kreishaus der deutliche Wandel in der Wahrnehmung. Früher oft kritische Kommentare, wie etwa zu schlechten Verkehrsanbindung und Mentalität der Menschen, sind jetzt mit Stichworten wie Natur, saubere Luft, Ruhe und Wir-Gefühl belegt.

„Das macht uns Mut“, sagt Thomas Junker, Samtgemeindebürgermeister aus Bevern und Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe für das LEADER-Programm im Landkreis Holzminden. Gemeinsam mit seinen Vorstandskolleginnen und -kollegen hat er jüngst Eckpunkte für die künftige Ausgestaltung des LEADER-Programms in den Jahren 2023-2027 definiert.

Wir müssen und wollen das Rad nicht neu erfinden, aber auf die Befragungsergebnisse werden wir aktiv reagieren, so der einhellige Anspruch. So sollen die vier bestehenden Handlungsfelder neu ausgerichtet werden, indem ein deutlicher stärkerer Fokus auf die Unterstützung lebendiger Orte und des sozialen Miteinanders unter den Menschen gerichtet wird. Konkret gedacht ist aber auch an Maßnahmen zur Reaktion auf den Klimawandel und zur Verbesserung der Zugänglichkeit unserer Freizeitanlagen und der touristischen Einrichtungen.

Um dafür die Grundlagen zu schaffen und die von Land und EU definierten Fördervoraussetzungen zu erfüllen, hat sich der Vorstand zunächst mit Organisations- und Finanzierungsfragen befasst. Für viele Projekte wird für die Zukunft eine EU-Förderung von 70 % vorgeschlagen, die dann noch aus nationalen öffentlichen Mitteln um weitere 17,5 % aufgestockt werden müssen. „Das wird uns in den Kommunen angesichts insgesamt sehr knapper öffentlicher Mittel wichtige Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen“ ist sich Thomas Junker sicher.

Ab Mitte Februar kommen dann die eingesetzten Arbeitsgruppen erneut zusammen, um die konkreten Fördertatbestände und -ziele für die vier geplanten Handlungsfelder zu fixieren.

Deren Arbeit findet übrigens nicht als „closed Shop“ statt. Wer ich einbringen und Anregungen liefern möchte, kann sich gerne beteiligen und an Christine Bossow im Kreishaus wenden. Bis März ist eine Mitarbeit noch möglich, bevor das Entwicklungskonzept dann bis spätestens 30.04. in Hannover vorgelegt werden muss.

Bildunterschrift: Mitglieder des Vorstandes der Lokalen Aktionsgruppe LEADER beraten die künftige Projektausrichtung. Foto: Zimmermann

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