Projekt "Wanderschäfer Rühler Schweiz"

Laufzeit: 02.10.2019 - 15.02.2022

Durchführungsort/ -gebiet: FFH-Gebiet Rühler Schweiz

Projektträger: Landkreis Holzminden

Projektinhalte:

Die offene, von der Landwirtschaft geprägte Landschaft in der Rühler Schweiz hat für das Landschaftserleben, aber auch den Naturschutz in der Region eine besondere Bedeutung. Von den ca. 800 ha Dauergrünalnd des FFH-Gebietes "Rühler Schweiz" sind ca. 300 ha als besonders artenreich eingestuft. Besonders bei den artenreichen und zumeist gesetzlich geschützten Flächen ist die regelmäßige extensive Beweidung eine Voraussetzung für ihren Erhalt. Auch für den Erhalt des Landschaftsbildes insgesamt ist es notwendig, dass diese Flächen beweidet werden - auch wenn die Beweidung bzw. Bewirtschaftung für die landwirtschaftlichen Betriebe unrentabel ist. Eine im Auftrag des Landkreies im Jahr 2017 im Rahmen des LEADER-Projekts "Partnerbetriebe der Landschaftspflege" von der Landwirtschaftskammer erstellte Studie zeigt auf, dass sich diese Situation in den kommenden Jahren noch verschärfen wird, weil immer mehr kleine und damit nicht rentable Flächen von den landwirtschaftlichen Betrieben aus der Nutzung genommen werden. Gerade die kleinen und zumeist schwierig zu bewirtschaftenden Flächen haben eine herausragende Bedeutung für den Naturschutz und das Landschaftserleben.

Derzeit wird die regelmäßige Beweidung durch einen selbständigen Wanderschäfer sichergestellt. Auf einem u.a. im Rahmen der Flurbereinigung Rühle angelegten Triftwegesystem zieht dieser in Abstimmung mit Flächeneigentümern und Unterer Naturschutzbehörde mit seiner Herde mit insgesamt 600 Tieren durch das FFH-Gebiet und weidet zwei bis drei mal jährlich die entsprechenden Flächen ab. Auch vor dem Hintergrund der in der Studie prognostizierten Entwicklung gewinnt die in den zurückliegenden Jahren in der Rühler Schweiz etablierte Wanderschäferei immer mehr an Bedeutung für den Erhalt der Kulturlandschaft.

Aus wirtschaftlichen Gründen ist mittelfristig jedoch auch so nicht sichergestellt, dass auch die naturschutzfachlichen bedeutsamen kleinen Flächen mit beweidet werden können, die der großen Herde nur wenige Tage Futter bieten: An jedem Weideort muss die Herde eingezäunt werden, und wenn die Fläche zu klein wird, steht der Aufwand des Zaunaufbaus in keinem Verhältnis zur Standzeit des Zauns. Der Schäfereibetrieb hat nun aus durchaus berechtigten Gründen darauf hingewiesen, dass zukünftig eine Nutzung der kleinflächigen Grenzertragsstandorte nur mit weiterer personeller Unterstützung möglich ist.

Daher möchte der Landkreis selbst einen Schäfer im Rahmen einer befristeten Projektstelle einstellen, der mit einem Teil der Herde ausschließlich die kleinflächigen, naturschutzfachlich bedeutsamen Grenzertragsstandorte abweidet. Die dafür erforderlichen ca. 150 Schafe werden von der Schäferei zur Verfügung gestellt; der seitens des Landkreises eingestellte Schäfer fungiert gleichsam als Dienstleister für die Landschaftspflege auf Standorten, die ansonsten wirtschaftlich nicht nutzbar sind. Biotope und das Landschaftsbild können so erhalten werden, und nebenbei wird auch eine traditionelle Form der Landnutzung in der Region für Einheimische und Gäste wieder sicht- und erlebbar.

Geplant ist die Einstellung eines Wanderschäfers für die Dauer von maximal zwei Jahren. Dabei handelt es sich um eine Zwischenlösung: in dieser Zeit muss durch die Untere Naturschutzbehörde eine Lösung erarbeitet werden, wie die Beweidung der Flächen dauerhaft sichergestellt werden kann.

Das Projekt leistet als Maßnahme zum Erhalt eines bedeutenden Landschaftsraums einen wesentlichen Zielbeitrag im Handlungsfeld Landschaftswerte.